14.05.2009
medizin-welt -- Pünktlich zum Welt-Hypertonie-Tag am 17. Mai fachen Medien die allgemeine Salzhysterie an und warnen vor zu hohem Konsum. Doch diese Aufforderung in die Praxis umzusetzen ist schwer und der Sinn dahinter kaum nachvollziehbar.
Salz galt im Mittelalter als „weißes Gold“ und wurde mit Edelsteinen aufgewogen. Vom Status als Luxusgut ist heute kaum etwas übrig geblieben. Vielmehr gilt ein hoher Salzkonsum seit vielen Jahren als Risikofaktor für Bluthochdruck. Erst kürzlich gingen erneut Meldungen durch die Pressewelt: Die Deutschen essen zu viel Salz. Internisten raten zum sparsamen Gebrauch von maximal sechs Gramm des weißen Würzmittels pro Tag – das entspricht etwa einem gehäuften Teelöffel. Wer denkt: „Mehr als eine Prise kommt mir eh nicht ans Essen“ unterschätzt seinen Salzkonsum mit unter erheblich. Der Geschmacksgeber ist in zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln wie Brot, Backwaren, Wurst, Brotaufstrich, Tomatenketchup oder Fertiggerichten zugesetzt. Eine Scheibe Brot mit Frischkäse und Räucherschinken beispielsweise liefert zwei Gramm Salz, eine Pizza bereits etwa fünf Gramm. Häufige Besuche in Fastfood-Ketten, Restaurants und Kantinen machen den Konsum unüberschaubar. Nur wer vieles aus frischen Zutaten selbst zubereitet, behält den Überblick und kann den Salzgehalt seiner Mahlzeit selbst bestimmen.
Studien,die nichts belegen
Doch hilft es überhaupt Salz einzusparen? Ja, nein, vielleicht – passende Studien gibt es für jede Meinung. Bislang zeigte sich nur bei einem Teil der Hypertoniker und einigen gesunden Personen eine Auswirkung auf den Blutdruck. Solche salzsensitiven Menschen könnten vom sparsamen Konsum profitieren. Einer aktuellen, japanischen Studie zufolge steigt der positive Effekt salzarmer Diäten je mehr zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel vorliegen. Der Blutdruck gesund lebender Menschen sank hingegen nur gering (1). Zigarettenverzicht, das Gewicht normalisieren und etwas mehr Körperertüchtigung scheinen somit die wirksameren Strategien zum Blutdruck senken.
Die positiven Wirkungen des Salzes werden ignoriert
Bei aller Panikmache kommen die positiven Effekte des Salzes häufig zu kurz. Ohne dieses würden unsere Körperfunktionen zum Erliegen kommen und die Zellen zu Grunde gehen. Wasserhaushalt, Nervensystem, Verdauung und Knochen sind auf Natrium- beziehungsweise Chloridionen des Kochsalzes angewiesen. Täglich gehen uns zwei bis drei Gramm verloren, die wir mit der Nahrung wieder zuführen müssen. Ist das Essen zu salzarm, treten Muskelkrämpfe auf und das Durstgefühl bleibt aus, worunter besonders die trinkträgen Senioren zu leiden hätten.
Christine Langer, Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V.
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